Der wesentliche Nutzen der Tumormarkerbestimmung liegt in der Verlaufskontrolle von Tumorkrankheiten. Nur in relativ wenigen Fällen ist die Bestimmung von Tumormarkern eine zusätzliche Hilfe bei der Diagnostik, wenn sie gezielt und mit Überlegung eingesetzt wird.
Bei einigen wenigen Tumorkrankheiten ist die Bestimmung von Tumormarkern ein obligatorischer Bestandteil des sog. „Staging“ (bei der Primärdiagnose). Zu diesen Krankheiten gehören: Hodentumoren (HCG und AFP), Ovarialkarzinom (CA 125), primäres Leberzellkarzinom (AFP), Prostatakarzinom (PSA).
Bei einer Reihe weiterer Tumoren ist die Bestimmung der Tumormarker bei bekannter Diagnose im Rahmen der primären Stadieneinteilung sinnvoll, weil sie für die spätere Verlaufsbeurteilung nützlich sein kann (aber nicht muß). Zu diesen Tumoren gehören vor allem das Mammakarzinom (CA 15-3, CEA), die gastrointestinalen Tumoren (CEA, CA 125 und CA 19-9) und das kleinzellige Bronchialkarzinom (NSE).
In besonderen, ausgewählten Situationen kann es nützlich sein, die Tumormarker diagnostisch einzusetzen, z.B. um im Falle eines metastasierten Tumors, bei dem eine Histologie schwer zu gewinnen ist, abzuschätzen, ob es sich um einen epithelialen Tumor oder um eine hämatologische Neoplasie vor allem ein malignes Lymphom) handelt. Sind epitheliale Marker (z.B. CEA) erhöht, kann eine (gut behandelbare) hämatologische Erkrankung weitgehend ausgeschlossen werden.
Diagnostisch nützlich kann die Tumormarkerbestimmung u.U. auch bei einem CUP- Syndrom sein (Metastasen bei unbekannten Primärtumor). Auch hier ist, falls eine histologische Abklärung schwierig ist, die Tumormarkerbestimmung gelegentlich nützlich.
Domäne der Anwendung von Tumormarkern ist die Verlaufsbeobachtung von Tumoren unter einer Therapie, jedoch nur, wenn nicht auch mit einfachen klinischen Mitteln eine zuverlässige Verlaufsbeobachtung möglich ist.
Nur bei wenigen Tumoren ist die routinemäßige Bestimmung in der Nachsorge sinnvoll, und zwar dann, wenn mit der frühen Entdeckung eines Rezidivs eine echte Heilungschance verbunden ist. Prototyp einer solchen Erkrankung ist der nicht seminomatöse Hodentumor.
 
 
Erklärungen für folgende Abkürzungen
ACTH =Adrenocorticotropeshormon,
HPL = Plazenta - Laktogen,
PAP = Prostataspezifische saure Phosphatase,
SCC = Squamous Cell Carcinoma - Antigen,
TPA = Tissue Polypeptide Antigen,
TPS = Tissue Polypeptide specific Antigen,
TSH = Thyreotropin,
 
Tabelle 1: Klinisch Wichtige Tumormarker
Tumormarker
maligne Erkrankungen
AFP
Prim. Leberzell-Ca, Leberzirrhose, (V.a. Carcinoma citu), Hoden-Ca
Calcitonin
C-Zell-Karzinom der Schilddrüse
CA 19-9
Gastrointestinale Ca. und Pankreas-Ca. 
CA 125
Ovarial-Ca
CA 15-3
Mamma-Ca.
CEA
Kolorektal- und Mamma-Ca. , sowie Broncial-Ca.
β-HCG
bes. bei trophoplastischen Tumoren, aber auch bei anderen Karzinomen,wenn eine Schwangerschaft ausgeschl. werden kann und Hoden-Ca.
Hum. Thyreogl.
Differenzierte Karzinome der Schilddrüse
β-2-Mikroglob
Plasmozytom
NSE
Kleinzell-Ca.
PSA, PSA frei
Prostata-Ca.
 
Tabelle 2: Standard-Indikationen für Markerbestimmung
Tumor
Marker
präop.
Bei Verdacht
postop.
In Rahmen v.Staging
Nachsorge
Zum Rezidiv-Ausschluß
Colon-Ca
CEA
+
+*
-
Hoden-Ca
β-HCG, AFP
+
+*
+
Primäre Leberzell-Ca
AFP
+
+*
+
Magen-Ca
CEA, CA 125
+
+*
-
Mamma-Ca
CA 15-3, CEA
+
+*
-
Ovar-Ca
CA 125
+
+*
+
Pankreas-Ca
CA 19-9
+
+*
-
Prostata-Ca
PSA
+
+*
+
+* = falls präoperativ erhöht
 
Tabelle 3: Tumoren und Markerspektrum
Karzinom
Tumormarker
Zusätzliche Marker
Blasenmole, Chorion-Ca
β-HCG/ HCG
HPL, Progesteron
Bronchial-/ Lungen-Ca
NSE, SCC, CEA, TPA, CA 72-4
Calcitonin, ACTH, PTH, IgE, Ferritin, Prolactin
Cervix-/Uterus-Ca
SCC, CEA, TPA
β-HCG
Gallengang-Ca
CA 19-9, CEA, CA 72-4
CA 125, AP, γ-GT
Hals-/Kopf-Bereich
SCC, CEA
IgE, Ferritin
Harnblasen-Ca
TPA, CEA
 
Hypophysen-Ca
ACTH, Prolactin
FSH, LH, TSH
Karzinoid
Serotonin
5-Hydroxyindolessigs.
Knochen-Sarkom
AP, TPA, CEA
PTH
Kolorektal-Ca
CEA, CA19-9, TPA
CA 125, Ferritin
Leber-Ca
AFP, CEA
CA19-9, Ferritin, Leberenzyme
Magen-Ca
CEA, CA 19-9, Ca 72-4
Gastrin, TPA, Ferritin
Malignome des lymph. und myelois. Systems, Multiples Myelom
β-2-Mikroglob., Ferritin, Monoklonale Immun-globuline (Paraproteine)
TPA, Lysozym
Mamma-Ca
CA 15-3, CEA, TPA
Ferritin, Saure Phosph. HCG, IgE
Melanom
Ferritin
 
Nebenschilddrüsen-Ca
Parathormon
 
Nieren-Ca
Erythropoietin, Renin
CEA, TPA
Ösophagus-Ca
CA 19-9, SCC, CEA
 
Ovarial-Ca
CA 125, CA 15-3, CA 72-4
CEA, TPA, β-HCG, AFP, Testosteron
Pankreas-Ca
CA 19-9, CEA, TPA
CA 125, β-2-Mikro-globulin, Insulin, Trypsin, Amylase, Ferritin
Nebennieren-Ca, Ganglioneurom, Neuro-plastom
Catecholamine: Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin
VMS, NSE
Prostata-Ca
PSA, PAP
CEA, TPA, Ferritin, β-2-Mikroglobulin
Schilddrüsen-Ca
Thyreoglobulin (papilläres und follikuläres Ca), Calcitonin (medull. bzw. C-Zell-Ca), NSE
CEA, TPA (undifferenz. Ca)
Testikuläre (Hoden-Ca) und ovariale Keimzell-tumoren
AFP, β-HCG, HCG
Ferritin, Prolactin, CEA, TPA, Östradiol